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Tischtennis:
(Deutscher Tischtennis-Bund e.V.)

DTTB-Teams behalten auch am zweiten WM-Tage ihre weißen Westen

 
Zwei Siege durch die Damen, ein glattes 3:0 für Deutschlands Herren, am zweiten Tag der Team-WM in Tokio lief es für Deutschland nach Maß. Die Mannschaft von Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp hat nach dem dritten Sieg im dritten Spiel den Platz in der Endrunde sicher, strebt gegen Hongkong am Mittwoch aber nach Höherem. Die Herren haben morgen ihren Doppel-Spieltag.

Tokio. Es kommt selten vor, dass Irene Ivancan eine Frage nicht versteht. Mit dem 3:1-Sieg ihrer Mannschaft über Tschechien, zu dem sie den ersten Punkt beigesteuert hatte, hat ihre Mannschaft sich vorzeitig den Einzug in die Hauptrunde gesichert. Was Ivancan dies bedeute, wollten die deutschen Journalisten wissen.

Sichtlich irritierte die 30-jährige gebürtige Stuttgartin nicht der Inhalt der Frage an sich, sondern vielmehr der Zeitpunkt: "Wir haben doch jetzt noch zwei Gruppenspiele vor uns", antwortete sie. Soll heißen: Als eine von drei Mannschaften der Sechsergruppe irgendwie den Sprung ins Achtelfinale zu schaffen, ist nicht der Anspruch der EM-Einzel-Finalistin von 2011 vom ttc berlin eastside nach den bisher drei klasse Auftritten ihres Teams gegen Kroatien, die Ukraine und Tschechien. "Unser nächstes Ziel ist, dass wir uns Hongkong schnappen", erklärte Ivancan. "Gegen sie geht es um den Gruppensieg. Das wäre eine super Ausgangsposition für die Endrunde." Denn der Gruppensieg wird in Tokio mit dem Direkt-Einzug ins Viertelfinale belohnt. Zusätzlich geht man einem der drei übrigen Ersten der Vorrunde bis zum Halbfinale aus dem Weg.

Irene Ivancan hatte wie am Morgen gegen die Ukraine im ersten Match den Grundstein zum Erfolg gegen Tschechien gelegt. Sie besiegte die WM-Einzel-Viertelfinalistin von 2009, Iveta Vacenovska, mit 3:1. Nach verlorenem ersten Durchgang lief es nahezu reibungslos für die deutsche Nummer 46 der Weltrangliste. Leicht war es aber nicht. "Sie hat mich unter Druck gesetzt und mir ab und zu ganz schön einen reingepfiffen", so Ivancan. "Während ich mein Niveau gehalten habe, hat sie eher wellenförmig gespielt und war zwischendurch zu unsicher. In den wichtigen Situationen hat sie nicht ihre Traumbälle gespielt."

Lieber Nerven behalten, als schön spielen

Die Linzerin Petrissa Solja startete mit dem 1:0 im Rücken, sah sich gegen Dana Cechova aber plötzlich einem 0:2-Satzrückstand ausgesetzt - nach einer Serie von Rückschlagfehlern in Durchgang eins und ausgeglichenem Verlauf im zweiten Satz. "Ich habe dann nur noch gebissen, und dann hat es gereicht", erklärte Solja.

Kristin Silbereisen, diesmal an Position drei aufgestellt, hatte das 3:0 auf dem Schläger, spielte clever gegen Altmeisterin Renata Strbikova, die Frau mit dem feinen Ballgefühl, konnte eine zwischenzeitliche 2:1-Führung allerdings nicht nach Hause bringen. Dies war Ivancans Bundesliga-Teamkollegin jedoch nahezu egal, nachdem Solja im Anschluss den dritten Punkt beisteuerte (Silbereisen: Es ist zwar schade, dass ich verloren habe, aber zum Glück hat die Mannschaft gewonnen. Das zählt."). Die mit 20 Jahren Jüngste im DTTB-Team und Nummer 40 der Weltrangliste, "Peti" Solja, behielt auch gegen Vacenovska die Nerven, gewann in der Verlängerung des fünften Durchgangs. "Spielerisch bin ich zwar noch nicht auf dem Level, das ich eigentlich spielen kann, aber mein Kopf ist gut", führte Solja aus. "In den entscheidenden Situationen die Nerven zu behalten, ist wichtiger, als schön zu spielen."

Volle Konzentration auf Hongkong und Serbien

Hongkong am Mittwoch ab 9.30 Uhr deutscher Zeit und zum Abschluss Serbien am Donnerstag um 3 Uhr nachts gilt nun die volle Konzentration der deutschen Damen, die Rechenaufgaben lieber mit einer wasserdichten Beweisführung am Tisch beantworten. "Die Mannschaft ist jetzt stärker als 2012 in Dortmund. Wir spielen hier alle noch mal eine Ecke besser", vergleicht die moderne Abwehrkünstlerin Ivancan die beiden WMs. Vor zwei Jahren hatten die Damen in der Westfalenhalle 1 die Herzen der deutschen Fans im Sturm erobert, unterlagen allerdings nach bravouröser Leistung und 2:0-Führung im Viertelfinale Titelverteidiger Singapur. Dass die japanischen Zuschauer generell begeisterungsfähig sind, haben sie in den bisherigen Vorrundenspielen schon im Ansatz bewiesen. Es könnte sich für sie lohnen, den Blick noch genauer auf Deutschlands Damen zu richten.

Timo Boll brachte es auf den Punkt: "Gerade die Dänen sind echte Scharfschützen, die viel riskieren. Da kann schnell mal ein Satz weggehen. Ich habe es trotzdem nicht als enges Match empfunden." Das galt auch insgesamt beim 3:0 im zweiten Spiel der deutschen Herren gegen Dänemark. Der Rekord-Europameister gab gegen die Nordländer, die ohne ihren Spitzenspieler Michael Maze angetreten waren, in seinem Einzel gegen Mikkel Hindersson ebenso einen Satz ab wie zuvor der Weltranglistenvierte Dimitrij Ovtcharov gegen Jonathan Groth. Ihre Topleistung wurde Europas Besten dabei nicht abverlangt, auch wenn Ovtcharov ein Lob für Groth übrig hatte: "Er hat mir das Leben heute schwer gemacht, hatte gleich einen guten Start", sagte der 71-fache Nationalspieler. "Ich habe gegen eine starken Jonathan Groth gewonnen."

Patrick Franziska leistete solide Arbeit bei seinem Tokio-Einstand. An Position drei besiegte er ungefährdet und ohne Satzverlust einen weitgehend überforderten Morten Rasmussen und war im Anschluss zufrieden. "Fürs erste Spiel in diesem Turnier und meine erste Mannschafts-WM überhaupt habe ich es heute ganz gut gemacht", kommentierte der Team-Europameister des vergangenen Jahres. "Mit ihm habe ich vorher schon mal größere Mühe gehabt. Zum Glück habe ich relativ souverän gewonnen."

Maze bleibt auf der Bank, Baum zu Hause

Ex-Europameister Michael Maze war diesmal nur auf der dänischen Bank beschäftigt. Für Team Deutschland war dieser Schachzug keine Überraschung. "Das haben sie die letzten Jahre immer so gemacht, weil sie es gegen Deutschland schwer haben und das Turnier lang ist", erklärt "Dima" Ovtcharov. "Maze soll lieber die Spiele machen, in denen seine Mannschaft eine echte Siegchance hat." Gegen Ovtcharov, Timo Boll und Patrick Franziska hatte das dänische Trio so also nichts zu bestellen.

Inzwischen haben der an einer Gastritis leidende Patrick Baum und Bundestrainer Jörg Roßkopf sich darauf verständigt, dass der Weltranglisten-21. zu Hause bleiben und dem Team nicht mehr nachreisen wird. Die DTTB-Herren bleiben damit bei der WM zu viert.

Championships Division, Vorrunde

Dienstag, 29. April

2. und 3. Gruppenspiel Damen, 2. Gruppenspiel Herren

DTTB-Damen – Tschechien 3:1 Irene Ivancan - Iveta Vacenovska 3:1 (-6,7,4,3) Ivancan: "Die letzten Mal habe ich gegen Vacenovska zwar gewonnen, aber es war knapp. Sie hat mich auch heute unter Druck gesetzt und mir ab und zu ganz schön einen reingepfiffen. Während ich mein Niveau gehalten habe, hat sie eher wellenförmig gespielt und war zwischendurch zu unsicher. In den wichtigen Situationen hat sie nicht ihre Traumbälle gespielt. Es hätte fast ein 3:0 gegeben. Das Gesamtergebnis ist einfach gut. Ich freue mich sehr darüber für unsere Mannschaft. Wir haben doch jetzt noch zwei Gruppenspiele vor uns. Unser nächstes Ziel ist, dass wir uns Hongkong schnappen. Gegen sie geht es um den Gruppensieg. Das wäre eine super Ausgangsposition für die Endrunde. Die Mannschaft ist jetzt stärker als 2012 in Dortmund. Wir spielen hier alle noch mal eine Ecke besser."

Petrissa Solja - Dana Cechova 3:2 (-8,-9,6,6,8) Solja: "Cechova ist eigentlich unangenehm für mich, auch wenn ich die letzten beiden Male gegen sie gewonnen habe. Im ersten Satz habe ich viele Rückschlagfehler gemacht. Der zweite Satz war ausgeglichen, aber ich hatte ein bisschen Pech. Ich wusste aber, dass ich das auch nach 0:2 noch gewinnen kann. Ich habe dann nur noch gebissen, und dann hat es gereicht."

Kristin Silbereisen - Renata Strbikova 2:3 (8,-9,9,-10,-6) Silbereisen: "Ich habe nicht schlecht gespielt, abgesehen von einer Rückschlag-Problematik. Es ist zwar schade, dass ich verloren habe, aber zum Glück hat die Mannschaft gewonnen. Das zählt."

Solja - Vacenovska 3:2 (7,-7,6,-6,10) Solja: "Spielerisch bin ich zwar noch nicht auf dem Level, das ich eigentlich spielen kann, aber mein Kopf ist gut. In den entscheidenden Situationen die Nerven zu behalten, ist wichtiger, als schön zu spielen."

Bundestrainerin Jie Schöpp: "Ich bin sehr zufrieden, auch wenn ich natürlich lieber ein 3:0 gehabt hätte (Lacht.). Es war ein 50-50-Spiel. Ein bisschen schade war, dass Kristin nicht auch noch gewonnen hat. Sie hatte ihre Chancen. Peti hat zwei schwere Partien gehabt und ist konzentriert geblieben. Irene hat ab dem zweiten Satz immer besser und besser gespielt. Gegen Tschechien war es eine tolle Leistung der ganzen Mannschaft, auch die auf der Bank und bei der Vorbereitung hat gestimmt."

DTTB-Herren – Dänemark 3:0 Dimitrij Ovtcharov - Jonathan Groth 3:1 (9,-6,9,8) Ovtcharov: "Ich bin schon davon ausgegangen, dass er sich gegen mich einiges vornimmt. Wir kennen uns gut aus dem gemeinsamen Training. Er hat mir das Leben heute schwer gemacht, hatte gleich einen guten Start. Ich habe gegen eine starken Jonathan Groth gewonnen. Die Bedingungen waren außerdem heute etwas anders, weil wir diesmal auf einem Nebentisch gespielt haben."

Timo Boll - Mikkel Hindersson 3:1 (1,-9,7,3) Boll: "Wir sind bei einer WM, hier kann jeder Tischtennis spielen. Gerade die Dänen sind echte Scharfschützen, die viel riskieren. Da kann schnell mal ein Satz weggehen. Ich habe es trotzdem nicht als enges Match empfunden. Ich passe mich an das Niveau meiner Gegner an und komme daher wie hier manchmal nicht gut in meinen Rhythmus hinein. Gegen Weltklassespieler wie Gao Ning gestern war es ganz anders."

Patrick Franziska - Morten Rasmussen 3:0 (6,8,5) Franziska: "Fürs erste Spiel in diesem Turnier und meine erste Mannschafts-WM überhaupt habe ich es heute ganz gut gemacht. Mit ihm habe ich vorher schon mal größere Mühe gehabt. Zum Glück habe ich relativ souverän gewonnen."

DTTB-Damen – Ukraine 3:0 Irene Ivancan - Margaryta Pesotska 3:0 (9,4,6) Kristin Silbereisen - Tetyana Bilenko 3:0 (9,9,7) Sabine Winter - Ganna Gaponova 3:0 (5,4,9)

Mittwoch, 30. April 3./4. Gruppenspiel 3.00 Uhr (10.00): DTTB-Herren – Kroatien 9.30 Uhr (16.30): DTTB-Damen – Hongkong 12.30 Uhr (19.30): DTTB-Herren – Hongkong

Donnerstag, 1. Mai 5. und letztes Gruppenspiel 3.00 Uhr (10.00): DTTB-Damen – Serbien 6.00 Uhr (13.00): DTTB-Herren – Ukraine

Freitag, 2. Mai Alle Achtelfinals/1 Viertelfinale Herren

Samstag, 3. Mai Viertelfinals

Sonntag, 4. Mai Halbfinals

Montag, 5. Mai 9.30 Uhr (16.30): Finale Herren-Mannschaft 12.30 Uhr (19.30): Finale Damen-Mannschaft


Original-Pressemitteilung
Artikel vom 29.04.2014, 16:36 Uhr

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